Spieluhr

 

Über ihrem Bett hing noch immer ihre Spieluhr – ein Halbmond mit einer blauen Mütze, die – mal schneller, mal langsamer eine Melodie spielte. Zum Ende hin wurde die Melodie immer langsamer, vielleicht sollte die Müdigkeit des Mondes auf das Kind abfärben. Sie zog die Spieluhr auf und trotz seines hohen Alters spielte der Mond verlässlich die altvertraute Melodie. Er hatte ein wenig Staub angesetzt, aber er lächelte noch immer freundlich in die Ferne. Sie lehnte sich zurück, beobachtete die Schnur, die in den Mond hineingezogen wurde. Wie oft würde es noch die Gelegenheit geben, hier, in ihrem alten Kinderzimmer auf dem Bett zu liegen und dem Mond zuzuhören? Ihr Zimmer veränderte sich von Besuch zu Besuch, es war überhaupt ein Wunder, dass noch so viel von ihrem Kinder- und Teenie-Dasein übrig war. Die Plüschtiere auf dem Bücherregal, die mit den Barbies kuschelten. Vorne thronte ihre Lieblings-Barbie, an deren Fingern und Füßen sie damals im Kindergarten genagt hatte, weil sie nicht mehr an ihren eigenen Nägeln kauen sollte. Im Bücherregal lebten noch immer "Mio mein Mio", "E.T." und "Carry" von Stephen King. Und im Kleiderschrank… Sie zog erneut an der Spieluhr.